Montag, der 24. April 2017

Meine Kindheit als Tochter von Joachim Gauck

Gesine Lange erzählt aus ihrer Kindheit

Gesine Lange verbrachte ihre Kindheit und Jugend in der ehemaligen DDR in Barlach, einem kleinen Ort bei Güstrow.

Ihr Vater, der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck, war evangelisch-lutherischer Pastor in Rostock. Sie ist bilingual aufgewachsen, wie sie erzählt. Eine Sprache sei für zu Hause gewesen, die andere für offizielle Gespräche. Sie und ihre drei Geschwister mussten sich als Christenkinder auch öfter in der Schule etwas anhören, vor allem, warum man nicht zu den Treffen der Pioniere oder der FDJ ging. Als Kind konnte sie es nie begreifen, warum ihre Verwandten aus West-Berlin zu Besuch kommen konnten, ein Gegenbesuch allerdings nicht möglich war.

Gesine Lange musste, wie auch ihre beiden älteren Brüder, die Schule nach der 10. Klasse verlassen. Sie durften die Oberschule nicht besuchen um daraufhin zu studieren.

Für sie als gläubiger Mensch war die Kirche ein Ort des Wohlfühlens. Zu Hause wurde ganz anders gelebt wie in der Öffentlichkeit. Sie lebten zu Hause so wie sie und ihre Familie es wollten.

Nach dem Schulabschluss ging sie nach Greifswald, um eine kirchliche Ausbildung zu absolvieren. Als Kinderdiakonin durfte sie Mitte der 80-ger Jahre erstmals auf Besuch in den Westen. „Ich wollte aber gar nicht bleiben, sondern in der DDR etwas verändern.“

Ihre beiden Brüder, die bereits Familien hatten, stellten einen Ausreiseantrag in die BRD.  Dieser wurde nach langer Wartezeit genehmigt.

Während eines Austausches mit der Partnerstadt Bremen in Rostock, lernte sie ihren Ehemann kennen, den sie nach vielen eingereichten Anträgen standesamtlich heiraten durfte. Anfangs wollten die beiden noch in der DDR leben, aber ihr Vater riet ihnen davon ab. Sie stellte einen Ausreiseantrag und durfte 1989 zu ihrem Mann nach Bremen ziehen. Den Mauerfall erlebte sie dann kurze Zeit später im Fernsehen.